Am 17. September 2026 fand der 2. Aktionstag der 10. Klassen zum Thema Jüdisches Leben – Erinnerungskultur in Bocholt statt. Der Tag war so gestaltet, dass auf eine gemeinsame Eröffnungsveranstaltung in der Sporthalle die Jahrgangsstufe 10 auf die drei Aktionen des Tages aufgeteilt wurde: Zwei Gruppen suchten die Orte des jüdischen Lebens in der Innenstadt auf: Es gab eine Stolpersteinführung mit Herrn Oechtering und eine Führung zum Thema Arisierung mit Dr. Wolfgang Buschfort. Die besonderen Ehrengäste des Tages waren Simone Pelikan und Ilja Golub von der Jüdischen Gemeinde Münster. Da es in Bocholt keine aktive jüdische Gemeinde mehr gibt, fällt die Zuständigkeit für den jüdischen Friedhof an der Vardingholter Straße in den Bereich der Münsteraner Gemeinde.
In ihrem Einführungsvortrag erläuterten die beiden Vorstandsmitglieder der Jüdischen Gemeinde wesentliche Grundzüge des jüdischen Glaubens hinsichtlich der Bestattungskultur und der Jenseitserwartungen. Dazu brachten die Gäste aus Münster eine Menge Anschauungsmaterial mit, so dass die Jugendlichen gut informiert in den Projekttag starten konnten. Besonders deutlich wurde bei dem Vortrag, dass die Zwangsverlegung des jüdischen Friedhofs in Bocholt im Jahre 1940 vom Wasserturm zur Vardingholter Straße eine elementare Schändung der Grabstätten darstellte. Eine Umbettung ist in der jüdischen Religion nicht vorgesehen; ein Grab ist ein Ort der Ewigkeit.
Im Anschluss zog Herr Lepping eine Verbindungslinie vom Friedhof zu den Orten des jüdischen Lebens in Bocholt, indem er anhand von einigen Beispielen aufzeigte, wo die Bestatteten vor ihrem Tode lebten und welche Rolle und Bedeutung sie in der Stadtgesellschaft hatten.
Wir bedanken uns herzlich bei Frau Pelikan und Herrn Golub sowie bei Herrn Oechtering und Herrn Buschfort für ihre Mitgestaltung des Tages! Ein besonderer Dank gilt auch dem ESB, der den Aktionstag auf dem Friedhof personell und materiell möglich gemacht hat!
Auf dem Friedhof würdigen Frau Pelikan und Herr Golub Verdienste des am 28.08.26 verstorbenen Bocholter Lokalhistorikers Josef Niebur. Herr Niebur hat über 50 Jahre lang die Geschichte der Bocholter Juden erforscht und dokumentiert und maßgebliche Impulse für die Erinnerungskultur gegeben.
Hauptziel der gärtnerischen Aktion: Die zuwuchernden Grabsteine wieder freilegen, so dass die Namen sichtbar bleiben; Wege und Beete vom Unkraut befreien.
Die Häuser Bahnhofstraße 3 und 5, rechts in der Bauakte um 1900. Hier wohnten die Fabrikanten Gebrüder Braunschweig:
Links der Stein von Moritz und Rosine, rechts Elias und Louise Braunschweig. Elias und Louise sind auch auf dem Foto zu sehen.
Die beiden Brüder haben heute die größten Grabsteine auf dem Bocholter Jüdischen Friedhof. Sie waren sehr erfolgreiche Textilunternehmer, die ihre Fabriken 1914 an ihre Söhne übergaben, die sie wiederum 1921 an die Firma Karstadt verkauften. Karstadt hat 1926 ein neues Fabrikationsgebäude an der Kaiser-Wilhelm-Straße errichtet, das heute noch dort steht. Momentan befinden sich darin Teile der Stadtverwaltung.
















