Euro-Schülerinnen und -schüler gestalten Volkstrauertag mit

“Was hat das mit uns zu tun?”

Unter diesem Motto hat der Kurs Geschichte-Politik der Klassen 10 von Herrn Haring einen Beitrag zur Gedenkveranstaltung anlässlich des Volkstrauertags auf dem Bocholter Friedhof geleistet. Der Volkstrauertag erinnert jedes Jahr an die Opfer von Krieg, Terror und Gewaltherrschaft.

Nach einer kurzen einleitenden Begrüßung vom Bürgermeister Herrn Kerkhoff haben unsere Schülerinnen und Schüler vorgetragen, welchen Bezug sie zum Volkstrauertag gefunden haben. Sie hatten sich in ihren Familien und in Bocholt auf die Suche gemacht und festgestellt, dass jeder von ihnen in irgendeiner Form doch etwas mit dem Volkstrauertag zu tun hat. Im Folgenden findet ihr die Beiträge unserer Schüler:

Clara:

„Was hat das mit uns zu tun?“

Als wir begonnen haben, uns auf den heutigen Tag vorzubereiten, fanden wir heraus, dass der Tag den Menschen gewidmet ist, die unter dem Ersten und Zweiten Weltkrieg gelitten haben und Opfer von Gewaltherrschaft geworden sind. Wir haben uns dann gefragt, was dieser Volkstrauertag mit uns zu tun hat und haben uns auf die Suche in unseren Familien und in Bocholt gemacht. Wir wollen Ihnen jetzt vorstellen, was wir herausgefunden haben:

Vicky

Ich habe bei mir zuhause einen alten Feldpostbrief von dem Verlobten meiner Großtante vom 31. Dezember 1942 gefunden. Während er an der Front kämpfte, hat meine Großtante hier in Bocholt durch eine Bombe ihr Bein verloren. In seinen Briefen bedankte er sich für die Pakete mit Essen und warmen Socken, die sie ihm zuschickten. Leider hat er den Krieg nicht überlebt und sie sahen sich nie wieder. Der Verlust war schlimm für meine Großtante, die aber erst vor kurzem mit stolzen 99 Jahren verstorben ist.

Henry

In der Feldstraße 9 liegt der Stolperstein von Werner Ludwig. Werner Ludwig wurde am 7. Oktober 1910 in Bocholt geboren. Als gelernter Maurer erlitt er 1935 einen Arbeitsunfall, bei dem er sich eine schwere Kopfverletzung zuzog und dadurch auch psychisch erkrankte. Von den Nachbarn dem Gesundheitsamt gemeldet, wurde er im Jahr 1936 in die Provinzial-Heilanstalt-Münster eingewiesen. Mit 79 anderen Männern wurde er 1941 in die ,,Euthanasie“- Tötungsanstalt Eichberg/ Rheingau gebracht. Dort wurde Werner Ludwig am 7. Januar 1942 getötet.

Lotte

Wenn man an der alten Synagoge (heute: Europaplatz 17), als auch an der Liebfrauenkirche vorbeiläuft, findet man die Stolpersteine von Hilde Metzger und Simon Blumenthal. Beide waren Bocholter Bürger jüdischens Glauben. Beide wurden im Jahr 1941 nach Riga deportiert und wie viele andere Menschen von den Nationalsozialisten ermordet. Insgesamt findet man in Bocholt ca. 50 Stolpersteine.

Johannes

Mit unserem GePo Kurs waren wir auf dem russischen Friedhof, wo über 1700 sowjetische Soldaten begraben liegen. Diese Menschen waren Gefangene im Stadtwaldlager und sind dort getötet worden oder durch die schlechten Lebensbedingungen dort gestorben. Das Stadtwaldlager VI F war ein Lager für Kriegsgefangene, welches sich auf dem Gelände des heutigen Stadtwaldes befindet.

Viktoria

Häufig, wenn meine Oma zu Besuch kommt, erzählt sie mir von der Vergangenheit. Erst neulich noch sprachen wir über ihre Erfahrungen im 2. Weltkrieg. Meine Großeltern flohen nach dem Krieg aus dem Osten Deutschlands weil dort die Rote Armee vorrückte. Sie flohen mit ihren Kindern in den westlichen Teil Berlins, ein Teil der Familie blieb im Osten. Dann wurde die Mauer errichtet und meine Großeltern besuchten mit meinen Vater in Zeiten der DDR dessen Verwandtschaft dort. Meine Oma erinnert sich noch an die Zeit im Besatzungsgebiet im Osten Deutschlands, Sie spricht davon, wie zerstört alles nach dem Krieg aussah und die Soldaten ihr Angst machten. Durch die Flucht meiner Familie wuchs mein Vater in der BRD auf. Obwohl er nicht oft in der DDR war, um seine Tante zu besuchen, erinnert er sich noch daran, wie anders die Menschen dort in der DDR lebten. Heutzutage spreche ich noch oft mit meinen Großeltern über den Krieg und ihre Jugend.

Pia

Wir merken, dass jeder von uns irgendeinen Bezug zum Krieg hat. Wir am Euregio sind aber auch jeden Tag direkt betroffen. Seit dem Jahre 2022 haben wir viele ukrainische Schülerinnen und Schüler aufgenommen, die vor dem Krieg in ihrem Heimatland geflohen sind.

Wir könnten hier noch so viel erzählen, da es jeden Tag unzählige Berichte in den Medien und in den Zeitungen gibt. Wir haben in unserem Kurs lange überlegt, dass ein Erinnern und Trauern wichtig ist, aber dass da noch mehr sein muss. Am Ende war für uns klar, dass der Frieden nur gelingen kann, wenn man richtig hinschaut, sich informiert und handelt. Denn: Wir haben festgestellt, der Frieden fängt im Kleinen und Alltäglichen an.

Hanna

Ein Gedicht von Vicky Bengfort

Im Anschluss sprach der evangelische Pfarrer Herr Wahl und zeigte in einer interessanten Rede auf, was wir aus dem Erinnern für heute lernen können.

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